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Mangelsymptome an Aquarienpflanzen erkennen und gezielt düngen

Barben in einem bepflanzten Aquarium

Pflanzen sind mehr als Dekoration auf der Bühne für die Fische.
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Pflanzen sind wichtige Bestandteile des Ökosystems. Sie nehmen Kohlendioxid auf und produzieren Sauerstoff. Wo zu viel Kohlendioxid und/oder zu wenig Sauerstoffgehalt ist, können keine Tiere überleben. Das gilt auch für die Fische, Garnelen, Krebse und Schnecken im Aquarium, sowie für die Bakterien im Filter, im Boden und in den Biofilmen auf der Oberfläche von Einrichtungsgegenständen.
Aquarienpflanzen tauschen ständig Stoffe mit ihrer Umwelt aus. Dadurch beeinflussen Sie den Gehalt an Mineralstoffen und Gasen, sowie den pH-Wert in ihrer Umgebung. Der Wurzelraum (Rhizosphäre) von Pflanzen ist Lebensraum für viele Bakterien, die am Ab- und Umbau von Abfallstoffen im Aquarium beteiligt sind. Für ihr Wachstum nehmen die Pflanzen aus dem Aquarienwasser Stickstoff- und Phosphatverbindungen auf und reduzieren so das Risiko von verstärktem Algenwachstum. Lebende Pflanzen verringern außerdem die Konzentration an Krankheitskeimen im Wasser. Zusätzlich dienen sie als Deckung für Tiere, Laichplatz und Dekoration. Aquarienpflanzen stabilisieren das biologische Gleichgewicht im Aquarium und tragen so dazu bei, dass die Tiere dauerhaft gesund bleiben. Fehlen Pflanzen oder wachsen sie nicht gut, hat das oft negative Folgen für die Gesundheit der Tiere.
Aquarienpflanzen benötigen, wie alle anderen Pflanzen auch, verschiedene Nährstoffe. Mangelsymptome an Aquarienpflanzen und das verstärkte Auftreten von Algen sind Zeichen für ein Nährstoffungleichgewicht im Aquarium. Regelmäßige Wasserwechsel und eine an die Bedürfnisse der Pflanzen angepasste Düngung schaffe Abhilfe bei solchen Problemen.

Mangelsymptome erkennen

Blattalter und Mangelsymptome

Der Ort der Mangel an der Pflanze gibt Hinweise auf die Art des Mangels.
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Da die verschiedenen Pflanzennährstoffe unterschiedliche Funktionen haben und in der Pflanze nicht alle gleich gut verlagert werden können, verursacht der Mangel an einem Nährstoff meistens charakteristische Mangelsymptome. Die Art und der Ort des Auftretens und die Ausprägung der Symptome geben dadurch einen Hinweis darauf, was der Pflanze fehlt. Bei der Diagnose ist es wichtig zu wissen, ob die Symptome zuerst an den jüngeren oder erst an den älteren Blättern auftraten. Bei Stängelpflanzen sind die jüngsten Blätter oben an der Triebspitze, bei Rosettenpflanzen im Zentrum der Blattrosette.
Einen weiteren Hinweis gibt die Art der Symptome. Mangelsymptome an Pflanzen äußern sich als Chlorosen (= Verfärbungen), Nekrosen (= Absterben von Gewebe) und Deformationen (= Verkrüppelungen).
Als Chlorosen werden alle Verfärbungen von Blättern und Stängeln bezeichnet. Sie entstehen am häufigsten durch den Abbau von Chlorophyll oder durch eine gestörte Bildung von Chlorophyll. Manchnml werden aber von den Pflanzen untypische Farbstoffe gebildet, wodurch sich ungewöhnliche Verfärbungen ergeben.
Nekrosen sind Bereiche mit abgestorbenem Gewebe. Bei Pflanzen über Wasser sind sie meistens braun und trocken. Bei untergetaucht lebenden Pflanzen bilden sich zunächst hell- bis dunkelbraune oder schwarze Flecken. Diese Bereiche werden schnell von Bakterien zersetzt oder von Schnecken gefressen, so dass sich Löcher oder ausgefranste Ränder bilden.
Verkrüppelungen treten auf, wenn junges Gewebe sich nicht richtig entwickeln kann. Sie sind an den Triebspitzen oder an den Herzblättern zu finden. Blattränder sind nicht gleichmäßig oder Blattflächen verdreht und verbogen.

Stickstoffmangel

Stickstoffmangel an Echindorus

Bei Stickstoffmangel werden zuerst die älteren Blätter von Echinodorus gelb.
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Stickstoff-Mangelsmyptome zeigen sich zuerst in Form von Chlorosen an den ältesten Blättern. Die Mangelpflanzen sind kleiner, heller gefärbt und weniger verzweigt als gut mit Stickstoff versorgte Pflanzen. Die Blätter sterben früher ab. Rosettenpflanzen werden dadurch auf Dauer kleiner und Stängelpflanzen verkahlen von unten nach oben.
Beim Umsetzen von Pflanzen im Aquarium treten oft Stickstoffmangelsymptome auf, weil die Pflanze Reserven aus den alten Blättern mobilisiert um anzuwachsen. Bei neuen Pflanzen die alten Blätter zu entfernen, weil die "ja sowieso gelb werden und absterben" ist unsinnig. Es führt nur dazu, dass die Reserven aus den dann verbliebenen ältesten Blättern entzogen werden. Es schwächt die Pflanzen.
Im Aquarium tritt als Begleiterscheinung von Stickstoffmangel oft ein Überschuss an Phosphat auf, der ein starkes Wachstum von Pinselalgen begünstigt.
Der Anteil des Stickstoffs an der Trockensubstanz der Pflanze beträgt ca. 1,2 - 3,2 %. Er ist Bestandteil der DNS, von Eiweißen, Chlorophyll und Pflanzenhormonen. Stickstoff wird in Form von Nitrat, Nitrit, Ammonium und Harnstoff über die Wurzeln und über die Blätter aufgenommen. Er kann in der Pflanze von alten Blättern in junge verlagert werden. Darum sind die Symptome zuerst an den alten Blättern zu sehen.

Kaliummangel

Typische Kaliummangelsymptome an Hygrophila

Typischer Kaliummangel an Hygrophila.
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Kaliummangel gehört zu den häufigsten Mängeln an Aquarienpflanzen. Das charakteristischste Symptom von Kaliummangel sind das plötzliches Absterben von Zellen. Im Aquarium bilden sich an weichen Pflanzen (Hygrophila, Ludwigien, Cryptocorynen) zuerst punktförmige Löcher. Bei anderen Pflanzen (Javafarn, Aponogeton) treten teilweise großflächige braune bis schwarze Nekrosen auf. Um diese abgestorbenen Zonen bilden sich Chlorosen. Diese Symptome können sich überall ander Pflanze bilden. Oft wird das abgestorbene Material von Schnecken gefressen, so das saubere Löcher ohne chlorotischen Saum entstehen. Junge Blätter können bräunlich verfärbt sein. Das Wachstum kann gehemmt werden und die neuen Blätter können deutlich kleiner sein.
Der Anteil von Kalium an der Trockensubstanz der Pflanze beträgt 1,5 - 4,2 %. Es liegt ausschließlich als Ion im Zellsaft vor. Kalium ist wichtig für den Wasserhaushalt. Der Zellinnendruck wird durch hohe Kalium-Gehalte aufrechterhalten. Kalium-Mangel führt zu einer Störung der Zellatmung, des Kohlehydrat- und Proteinstoffwechsels.

Kalziummangel

Typische Kalziummangelsymptome an Hygrophila

Typischer Kalziummangel an Hygrophila.
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Charakteristische Kaziummangelsymptome sind die Ausbildung von Chlorosen an den Blatträndern, die sich v-förmig von der Spitze nach unten ausbreiten und bei Überwasserformen eintrocknen. Im Aquarium wird das abgestorbene Gewebe schnell abgebaut, so dass die Spitzen und die Ränder der Blätter fehlen.
Kalzium ist meistens in ausreichender Menge im Leitungswasser vorhanden. Mangelsymptome treten im Aquarium auf, wenn mit aufbereitetem, weichem Wasser gearbeitet wird oder regelmäßige Wasserwechsel ausbleiben. Auch ein dichter Besatz mit Garnelen und Schnecken, die dem Wasser Kalzium entziehen, kann zu Kalziummangelsymptomen führen.
Der Anteil von Kalzium an der Trockensubstanz der Pflanze beträgt ca. 1,0 - 7,0 %. Kalzium stabilisiert die Zellwände und die Membranen. Es ist wichtig für die Aufrechterhaltung der verschiedenen Reaktionsräume in der Zelle. Gleichzeitig fungiert es als Warnsignal und ist im Zellsaft immer nur in geringer Konzentration vorhanden.

Eisenmangel

Eisen kann in der Pflanze nicht verlagert werden. Darum treten Mangelsymptome zuerst den jungen Blättern auf. Ein typisches Symptom für Eisenmangel ist eine zunehmende Aufhellung des Blattgrüns, wobei die Blattader oft lange normal gefärbt sind. Die jüngsten Blätter werden bei akutem Eisenmangel gelb, rosa oder weiß. Die Pflanzen stellen das Wachstum ein und sterben am Ende ab. Eisenmangel tritt recht häufig auf und kann mit verschiedenen Eisendüngern für Aquarienpflanzen behoben werden. Wichtig ist, dass die Dünger auch alle anderen Mikronährstoffe enthalten.

Typische Eisenmmangelsymptome an Falschem Wasserfreund Typische Eisenmmangelsymptome an Papageienblatt Typische Eisenmmangelsymptome an Echinodorus

Typische Eisenmangelsymptome an Falschem Wasserfreund, Papageienblatt und Echinodorus
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Der Anteil von Eisen an der Trockensubstanz der Pflanze beträgt 0,01 - 0,3 %. Eisen ist unter anderem Bestandteil von Chlorophyllvorstufen und Enzymen, die an der Umwandlung von Stickstoff in der Pflanze notwendig sind.

Pflanzennährstoffe

Für ein gesundes Wachstum benötigen Pflanzen 16 verschiedene Nährelemente. Sie haben alle im Stoffwechsel der Pflanze eine Funktion, in der sie nicht durch andere Elemente ersetzt werden können. Es sind also alle Nährstoffe für die Pflanze gleich wichtig und alle unverzichtbar.

Kohlenstoff (C), Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H) sind der Hauptbestandteil von Cellulose, Hemicellulose und Pektin, die die Zellwände bilden. Diese drei Elemente sind zusammen auch in Eiweißen, Enzymen, der DNS und im Chlorophyll, sowie in allen anderen Molekülen der Pflanze enthalten.
Stickstoff (N) ist Bestandteil der DNS. Es ist in Enzymen, im Chlorophyll, in verschiedenen Pflanzenhormonen und in zahlreichen anderen Verbindungen. Stickstoff wird von Aquarienpflanzen als Harnstoff, Ammonium oder Nitrat aufgenommen.
Phosphor (P) ist der wichtigste Energieträger im pflanzlichen Stoffwechsel. Er ist unverzichtbar für die Funktion von Membranen und auch Bestandteil der DNS. Er liegt im Aquarium als Phosphat vor.
Kalium (K) ist wichtig für den Wasserhaushalt und den Zellinnendruck. Es aktiviert verschiedene enzymatische Reaktionen. Kalium ist als Ion (K+) im Aquarienwasser.
Kalzium (Ca) stabilisiert die Zellwände und die Membranen und dient im Zellsaft als Botenstoff. Kalzium ist als Ion (Ca2+) im Aquarienwasser.
Magnesium (Mg) ist als das Zentralatom des Chlorophylls unersetzlich für die Photosynthese und auch für die Bildung von Eiweißen ist es unverzichtbar. Magnesium ist als Ion (Mg2+) im Aquarienwasser.
Schwefel (S) ist Bestandteil von Eiweißen und DNS. Er ist auch notwendig, damit die Pflanze Stickstoff aufnehmen kann. Abhängig von der Pflanzenart kann Schwefelmangel Symptome von Stickstoffmangel oder Stickstoffüberdüngung verursachen. Im Aquarienwasser liegt es als Sulfat vor.
Eisen (Fe) ist Bestandteil von Chlorophyll-Vorstufen. Es ist außerdem wichtig für den Stickstoff-Stoffwechsel. Eisen wird in seiner 2-wertigen Form (Fe2+) oder als Eisen-III-Chelat von Pflanzen aufgenommen.
Bor (B) beeinflusst viele Stoffwechselvorgänge. Besonders wichtig ist es bei der Zellteilung an den Trieb- und Wurzelspitzen. Es liegt als Ion (B+).
Mangan ist wichtig für die Photosynthese, schützt die Zellen vor freien Radikalen und ist an der Bildung von sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe beteiligt. Mangan wird als Ion (Mn2+) aufgenommen.
Kupfer, Zink und Molybdän sind als Co-Faktoren an verschiedenen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Sie werden als zweiwertige ionen von der Pflanze aufgenommen.
Chlor dient zur Aufrechterhaltung des osmotischen Drucks und des elektrischen Gleichgewichts in der Zelle. Es ist außerdem notwendig für sauerstoff-reduzierende Reaktionen bei der Photosynthese. Es kommt als Chlorid-Ion im Wasser vor.

Das richtige Verhältnis ist wichtig

Die Nährstoffe müssen für die Pflanzen in einem bestimmten Verhältnis vorliegen, damit es nicht zu Wuchstörungen und Nährstoffmangelsymptomen kommt. Das könnt Ihr euch vorstellen, wie beim Bau eines Hauses. Damit am Ende alles stehen bleibt, muss das Verhältnis von Sand zu Zement und Ziegeln passen, ebenso das Verhältnis von Holzbalken zu Dachschindeln. Beim Aufbau einer Pflanze aus Zellen ist das nicht anders. Ist ein Nährstoff in zu geringer Menge vorhanden, begrenzt er das Wachstum der Pflanze und damit die Aufnahme der übrigen Nährstoffe. Es kann dadurch zu einem Überschuß an einem anderen Nährstoff kommen, was dann möglicherweise zu unerwünsctem Algenwuchs führt.
Phosphat ist ein z. B. Nährstoff, an dem nur ein relativ geringer Bedarf besteht. Während die Pflanzen 1 mg Phosphat aufnehmen, benötigen sie zusätzlich 5 - 10 mg Nitrat und 10 mg Kalium. Fehlt einer dieser Nährstoffe, wachsen die Pflanzen schlecht und es wird weniger Phosphat aufgenommen. Die Folgen sind ein steigernder Phophatgehalt im Aquarienwasser und das Auftreten von Pinselalgen. Eine Düngung mit den fehlenden Nährstoffen ermöglicht es den Pflanzen zu wachsen und das Phosphat zu verbrauchen. Auf die Weise lassen sich langfristig Pinselalgen durch die Düngung mit Nitrat oder Kalium "bekämpfen".
Andersherum kann kann Phosphatmangel zu einem steigenden Nitratwert führen, der wiederum Grünalgen mit sich bringt. Eine Düngung mit Phosphat kann hier Abhilfe schaffen.

Gezielt Düngen

Da Nährstoffmängel nicht nur durch das Fehlen des Nährstoffs (akuter Mangel), sondern auch durch eine behinderte Aufnahme oder eine eingeschränkte Verstoffwechselung (induzierter Mangel) verursacht werden können, ist es unverzichtbar beim ersten Auftreten eines neuen Mangels eine Wasseranalyse zu machen. Es ist möglich, dass sich die Probleme durch Wasserwechsel oder eine pH-Wert Regulierung beheben lassen. Möglicherwiese liefert das Wechselwasser nicht genug von einem Nährstoff (z. B. Kalium, Kalzium, Magnesium) oder zuviel davon (z. B. Kalzium, Phosphat). Eine Änderung im Wechselrhythmus oder die Zugabe von Regenwasser / Osmosewasser kann dann schon Abhilfe schaffen.
Ist das Problem das fehlen eines Nährstoffs, muss ein Dünger gewählt werden, der diesen Nährstoff enthält. Es gibt sehr gute Dünger, bei denen auf der Verpackung angeben ist, welche Nährstoffe sie enthalten. Diese Dünger sind alle gut, aber nicht für jedes Aquarium geeignet. Weil jedes Aquarium anders ist, habt ihr nicht unbedingt den vollen Erfolg mit dem Dünger, den Euch Irgendjemand in einem Forum empfiehlt. Wenn ihr mit einem Dünger keinen Erfolg habt oder er sogar eine Algenblüte verstärkt, dann ist nicht der Dünger schlecht, sondern ihr habt den falschen Dünger gewählt. So gibt es zum Beispiel Dünger mit Phosphat, Kalium und Mikronährstoffen für Aquarien mit hohem Nitratgehalt. Für Aquarien mit hohem Phosphatgehalt gibt es Dünger mit Stickstoff, Kalium und Mikronährstoffen. Eine Düngung mit einem Eisen-Dünger hat nur Erfolg, wenn die Ursache für den Mangel tatsächlich ein aktuter Mangel an Eisen ist und nicht die Ausfällung durch Phosphatüberschuß und ungünstigen pH-Wert.
Achtet also bei der Wahl des Düngers darauf, dass er die Nährstoffe enthält, die Euer Aquarium wirklich braucht.