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Sachkundeschulung und Sachkundeprüfung für die Süßwasseraquaristik für private Tierhalter



Die meisten Mitglieder der Zierfischfreunde Warendorf e. V. haben durch eine Schulung und eine abschließende Prüfung den VDA-Sachkundenachweis gemäß §2 Tierschutzgesetz für private Tierhalter erworben. Mehrere Vereinsmitglieder sind zugelassene Prüfer und dürfen im Auftrag des VDA Schulungen und Sachkundeprüfungen durchführen.
Aber was ist der Sachkundenachweis und welchen Nutzen hat er?

Sachkunde ist im Tierschutzgesetz ausdrücklich als Voraussetzung für die Tierhaltung vorgeschrieben!



Sachkundige Aquarianer wissen, dass diese Unterbringung nicht artgerecht ist.
Im §2 des Tierschutzgesetz ist vorgeschrieben, dass nur derjenige ein Tier halten darf, der sich mit seinen Bedürnissen auskennt:

§2

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.


Jeder, der ein Tier hält oder versorgt ist laut dem Tierschutzgesetz also verpflichtet sich zu informieren, was notwendig ist, um es artgerecht zu pflegen. Dadurch soll vermieden werden, dass Tieren durch die Unkenntnis ihrer Besitzer oder Pfleger leiden, krank werden oder sogar sterben.

Wer muss sachkundig sein?

Die Sachkunde zur Haltung einer bestimmten Tierart ist verpflichtend für private Halter von Hunden, Katzen, Ziervögeln, Nagern, Pferden, Teichfischen und allen anderen Tieren ebenso wie für Aquarianer und Terrarianer. Betreiber von Tierheimen, Tierpensionen, Gnadenhöfe, Aquakulturen und Schlachtereien müssen genauso sachkundig sein wie Tierärzte, Tierpfleger in Zoos und Personen, die Tiertransporte durchführen. Wer beruflich mit Tieren zu tun hat, benötigt eine Genehmigung der zuständigen Behörde. In Deutschland ist diese Genehmigung an den Sachkundenachweis nach §11 gebunden. Er wird durch eine Schulung und eine Prüfung vor einem Amtsveterinär erworben. Die Betreibe werden regelmäßig von den Amtsväterinären besucht und kontrolliert.

§11

Wer ... Tierbörsen zum Zwecke des Tausches oder Verkaufes von Tieren durch Dritte durchführen ... oder ... gewerbsmäßig .... Wirbeltiere ... züchten oder halten, ... oder ... mit Wirbeltieren handeln will, ... oder ... Tiere zur Schau stellen oder für solche Zwecke zur Verfügung stellen will ... , ... bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde.

Was ist der Unterschied zwischen Sachkunde nach §2 und §11?



Händler müssen ihre Sachkunde nachweisen und werden regelmäßig kontrolliert.
Für alle, die beruflich mit Tieren umgehen, Tierbörsen veranstalten oder Ausstellungen mit lebenden Tieren durchführen, ist in §11 des Tierschutzgesetz der Nachweis der notwendigen Sachkunde gegenüber dem Amtsveterinär gesetzlich vorgeschrieben. Für die verschiedenen Tiergruppen (Vögel, Nager, Meerestiere, Süßwassertiere etc.) gibt es Richtlinien, was ein Händler/Pfleger wissen muss. Dazu kommen Kenntnisse der Gesetzeslage, Transportbestimmungen und einiges mehr. Auch die Börsenwarte von Aquarienvereinen benötigen einen Sachkundenachweis nach §11 für die Durchführung von Börsen und Ausstellungen. Die Verkaufsstätten und Zuchtanlagen von gewerblichen Händlern und Züchtern müssen auf Verlangen für Kontrollen durch die Behörde zugänglich gemacht werden.

Für den in §2 grundsätzliche vorgeschriebenen sachkundigen Umgang mit Tieren, der auch für die private Haltung gilt, gibt es bislang (Stand 3. November 2021) keine gesetzliche Nachweispflicht. Ein Sachkundenachweis nach §2 ist bislang also freiwillig, die Sachkundigkeit selbst aber Vorschrift. Kontrollen der Haltungsbedingungen gibt es im privaten Bereich nicht.

Warum ist der Sachkundenachweis nach §2 sinnvoll?

Die Aquaristik ist ein sehr großes, vielfältiges Themengebiet. Bunte Fische und dekorativ bepflanze Aquarien begeistern den Betrachter. Leider fehlt es vielen Neueinsteigern aber an den grundlegenden Kenntnissen, um ein so komplexes System wie ein Aquarium dauerhaft ohne Probleme zu pflegen. Manche haben Glück. Vielfach treten aber Probleme mit der Stabilität der Wasserwerte auf, Algen breiten sich aus, Fische werden krank und viele Tiere sterben, bevor der Aquarienbesitzer nach einigen Monaten entnervt das Becken wieder abgibt.
Kenntnisse über den Nährstoffbedarf von Zierfischen, Wasserchemie, Stoffkreisläufe und Bakterienflora gehören nicht zum Allgemeinwissen. Die Bereitschaft zu lernen und sich weiterzubilden, ist notwendig, um unseren Tieren ein langes, gesundes und artgerechtes Leben zu bieten. Wer dazu bereits ist, wird als Aquarianer lange Freude an unserem schönen Hobby haben. Wer nicht bereits ist sich zum Wohle der eigenen Tiere Fachwissen anzueignen und stattdessen mit der Mehrheitsmeinung aus dem "Schwarmwissen" zufrieden gibt, sollte sich zum Wohl der Tiere gar nicht erst ein Aquarium zulegen.

Eine Sachkundeschulung bietet die Möglichkeit einen Überblick über das vielfältige Themengebiet der Aquaristik zu bekommen und zu erfahren, welche Lücken das eigene Wissen möglicherweise hat. Der Besuch von Vorträgen zu verschiedenen Themen auf Vereinsabenden oder in digital als Video-Konferenz dient nicht nur der Unterhatung, sondern auch der Weiterbildung.

Auch wenn der Sachkundenachweis bisher nicht verpflichtend ist, signalisiert sein Erwerb die grundsätzliche Bereitschaft sich mit den Lebensbedürfnissen der Tiere auseinander zu setzen.